Anaplasmose beim Hund | Eigene Erfahrungen

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Kategorie
Datum
16. Juli 2026
anaplasmose hund erfahrungen

Eigene Erfahrungen zum Verlauf und zur Behandlung der von Zecken übertragenen Krankheit bei meinem Hund

Die Symptome

April 2026. Unsere 8-jährige Husky Hündin beginnt Krankheitssymptome zu zeigen, die sich innerhalb von ein bis zwei Wochen verschlimmern.

Es fing an damit, dass wir bemerkt haben wie sie schwach und lustlos wurde. Ihr Energie Level ist über mehrere Tage drastisch gesunken. Dann hat sie sich erbrochen und fing danach an Futter zu verweigern. Dementsprechend war auch Toilettenaktivität kaum noch vorhanden.

Das war für uns das letzte Signal einen Tierarzt aufzusuchen. In unserem Fall war das übrigens die Tierarztpraxis St Lukas in Arzl im Pitztal.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich keinerlei tiermedizinisches Wissen habe und hier nur aus eigener Erfahrung mit dieser Erkrankung bei unserer Hündin berichte. Man möge mir deshalb bitte fachliche Fehler verzeihen.

Die Untersuchung

Die behandelnde Tierärztin hat zunächst die Körpertemperatur des Hundes gemessen und festgestellt, dass das Tier Fieber hat. Das war das erste Signal, dass wir es mit einer ernstzunehmenden Erkrankung zu tun haben.

Dann wurde auf Anraten Blut abgenommen. Aus der Blutabnahme wurde dann später festgestellt, dass es Abnormalitäten gab. Es wurde eine Anämie (Blutarmut) festgestellt. Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Anteil der roten Blutkörperchen deutlich zu gering. Gleichzeitig gab es einen übernormal hohen Anteil von Anaplasma und Ehrlichia Antikörpern, was darauf hinwies, dass es aktive Erreger in ihrem Blut gab.
Daraufhin wurde etwas später ein PCR Test gemacht um die aktiven Erreger nachzuweisen und zu bestätigen.
Die Bakterien Erreger werden von Zecken übertragen. Nach dem Zeckenbiss dauert es wohl einige Stunden bis zur Übertragung in das Blut des Wirtes.

Die Behandlung

Die Tierärzten hat zu medikamentöser Behandlung durch Antibiotika geraten. Verschrieben wurde eine Tablettentherapie mit Doxybactin (Wirkstoff Doxycyclin) über einen Zeitraum von 3 Wochen. Da unsere Hündin deutliches Fieber hatte wurde mir zusätzlich Novalgin mitgegeben, um Fieber und Schmerzen zu lindern. Das sollte ich “bei Bedarf” ein bis zweimal täglich verabreichen. Zusätzlich gab es noch zwei Tabletten Nexgard Spectra gegen Zecken, Flöhe, Würmer etc. Dazu später noch mehr.

Die erste Packung Doxybactin bestand aus sehr großen Tabletten, die wahrscheinlich auch intensiv gerochen und geschmeckt haben müssen. Ich habe diese über ein Wochenende versucht mit Leckerli zu füttern. Genau eine halbe Tablette konnte ich unserer Hündin verabreichen, danach war Feierabend. Sie hat eine großen Bogen darum gemacht, selbst versteckt in den leckersten Häppchen, und sich “mit Händen und Füßen” dagegen gewehrt.
Es gab keinen Weg, diese dreiwöchige Tablettenbehandlung damit durchzuziehen.

Deshalb bin ich am Montag nach dem Wochenende wiederum zur Tierarztklinik gefahren, habe die nicht verbrauchten Tabletten zurückgegeben und dafür eine deutlich kleinere Tabletten Alternative bekommen. Gleicher Wirkstoff, gleiche Dosis, viel kleinere Tabletten.
Damit hat’s dann funktioniert. Natürlich mussten auch diese Tabletten in feinsten Würstchenstücken, Speckröllchen und gegrillter Lachshaut versteckt werden. Aber letzen Endes hat es geklappt.

Die Aussicht

Während der ganzen Behandlung über die drei Wochen ging es der Hündin schlecht. Teilweise lief die Nase, manchmal war sie schweißgebadet, das Fell wurde stumpf und struppig, sie fraß kaum und sie verweigerte bei kurzen Spaziergängen die kleinsten Anstiege. Man konnte ihr ansehen, wie extrem schwach sie war. Manche Tage hatte man kurz Hoffnung auf Besserung, dann ging’s die kommenden Tage wieder abwärts.

Ich muss zugeben, dass ich dachte wir verlieren sie.

Besserung

Aufgrund der verordneten Dosis und der Tablettenpackung haben wir die Antibiotikum Therapie mit Doxybactin und gelegentlich Novalgin insgesamt 24 Tage strikt durchgezogen.

Erst danach stellten wir in den kommenden Tagen fest, dass ihre Vitalität wieder zunahm. Sie hatte wieder mehr Spaß an Spaziergängen, fing an zu fressen wie ein Pferd, legte wieder Gewicht zu und lächelte ab und zu wieder. Erst dann kam bei uns wieder Hoffnung auf, dass sie es geschafft haben könnte. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, welche Erleichterung sich bei uns einstellte.

Heute geht es ihr wieder gut. Sie ist immer noch nicht auf dem früheren Fitness Level und schläft noch viel und lange jeden Tag, aber die Veterinärin hatte bereits erwähnt, dass es Wochen und Monate dauern wird bis die Anzahl der Blutkörperchen wieder in Balance sind. Ebenso hat sie in dem Zusammenhang erwähnt, dass es diese Erreger in unserer Region früher kaum gab und diese sich erst in den letzten Jahren extrem verbreitet haben. 

Warum schreibe ich das?

Wie ich eingangs erwähnt habe, bin ich absolut kein Experte auf dem Gebiet und habe auch kein veterinäres Fachwissen, sondern bin einfach nur jemand, der diese Krankheit am eigenen Hund erlebt hat. Nicht vom Hörensagen, nicht von Social Media oder aus unqualifizierten Internetquellen.

Und gerade weil man insbesondere auf Social Media, aber selbst auf kommerziellen Websites, die homöopathische Wundermittelchen verkaufen, und selbst auf Amazon so unglaublich viel Unsinn zu dem Thema liest, wenn mal jemand um Hilfe, Behandlungsmöglichkeiten und reale Erfahrungen fragt, fühlte ich mich irgendwie verpflichtet, unseren realen Fall mal aus persönlicher Betrachtung zu schildern.

Dabei geht’s übrigens nicht nur um Anaplasmose, sondern auch um Babesiose (Hunde Malaria), FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose. Die Diskussionen darüber sind fast überall gleich.
Von “Hunde haben seit Tausenden von Jahren Zecken ohne Medikamente überlebt” bis “die Pharma Industrie vergiftet die Tiere nur” - ich habe fast alles darüber gelesen, als es bei uns akut war.

Das qualifiziert mich natürlich immer noch nicht, tiermedizinische Ratschläge zu geben. Ich spreche nur aus Erfahrung. Wie weiter oben schon erwähnt, hatte die Tierärztin das Medikament Nexgard Spectra empfohlen. Das sind Kautabletten, die tatsächlich keine Probleme bei der Verabreichung gemacht haben. Unsere Hündin hat sie anstandslos gefressen. Es gibt ähnliche Präparate (Frontpro, Bravecto, …), die vermutlich die gleichen oder ähnliche Wirkstoffe (Afoxolaner, Milbemycin Oxime) anbieten. 

Wenn ich richtig informiert bin, gibt es Nexgard in Österreich nicht im Handel, sondern nur bei Tierärzten zu kaufen.

Wie dem auch sei, wir sind sehr zufrieden mit Nexgard Spectra und haben seitdem keine vollgefressene Zecke an unserer Hündin mehr entdeckt. Wir werden ganz sicher dabei bleiben und definitiv auf von Social Media Hobby Tierärzten empfohlenene Hausmittel verzichten.

Fazit

Falls ihr bemerkt, dass es eurem Hund auf einmal mit ähnlichen Symptomen schlecht geht - nehmt es ernst!
Ich persönlich würde euch raten, den Tierart aufzusuchen.

Und ich würde dringend empfehlen, auf die Hilfs- und Heilmittel, Öle als Futterzusätze, gesprühte Flüssigkeiten, Zeckenhalsbänder und fast alles, was so auf Social Media als "unbedenkliche Alternative" empfohlenen wird, zu verzichten. Es bringt letzten Endes nichts und ihr verschwendet nur Geld, was ihr für die richtig Behandlung brauchen werdet.

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