›

ChatGPT besser fragen: Mit sechs Bausteinen zu Prompts, die brauchbare Antworten liefern

Datum
20. Oktober 2026
chatgpt besser fragen mit sechs bausteinen zu prompts die brauchbare antworten liefern

„Schreib mir ein Angebot für einen Kunden.“ So oder so ähnlich sehen viele erste Prompts aus, die ich in unseren Workshops zu sehen bekomme. Was ChatGPT darauf antwortet, passt dann für jede Firma der Welt. Höflich formuliert und völlig austauschbar. Das Fazit am Tisch lautet oft: „Das Ding kann nix.“

Das Ding kann schon was. Es wusste nur nichts. Kein Wort über den Kunden, den Auftrag oder darüber, wann das Angebot gut genug ist. Also hat ChatGPT die Lücken selbst gefüllt, und zwar mit Durchschnitt.

Warum vage Fragen vage Antworten bringen

ChatGPT rät. Wenn Du wenig vorgibst, nimmt es die wahrscheinlichste Antwort, und die wahrscheinlichste Antwort ist fast immer die langweiligste. Mit jedem Detail, das Du ergänzt, wird der Raum zum Raten kleiner.

Die gute Nachricht: Dafür musst Du keine Prompt-Sprache lernen. Es reicht, wenn Du vor dem Abschicken sechs Punkte kurz durchgehst. Bei Clever Mangos nennen wir das das PROMPT+ System. Jeder Buchstabe steht für einen Baustein, das Plus für den Kontext.

Die sechs Bausteine

P wie Prompt-Ziel. Was willst Du erreichen, und wofür brauchst Du es? „Ein Angebot“ ist ein Thema. „Ein Angebot, mit dem die Kundin den Auftrag noch für Dezember freigibt“ ist ein Ziel.

R wie Rahmen. Was muss ChatGPT beachten? Hier gehören die Ausgangssituation und die Zielgruppe rein, dazu Länge oder Budget und alles, was auf keinen Fall drinstehen darf. Ein Satz, den ich fast immer ergänze: „Wenn Dir eine Information fehlt, markiere die Stelle mit [?], statt etwas zu erfinden.“

O wie Output. Was genau soll rauskommen? Eine E-Mail, eine Tabelle, fünf Varianten für eine Überschrift? Sag dazu, wie lang es sein darf und wie es klingen soll. Du willst lieber Fließtext als Stichpunkte? Schreib es dazu.

M wie Messlatte. Wann ist das Ergebnis fertig? Diesen Baustein lassen die meisten weg, dabei bringt er am meisten. Ein Satz reicht: „Das Ergebnis ist fertig, wenn es in zwei Minuten gelesen ist und am Ende ein klarer nächster Schritt steht.“

P wie Prüfen. Bevor ChatGPT Dir etwas gibt, soll es seine eigene Antwort gegen Ziel, Rahmen und Messlatte checken und die schwächste Stelle verbessern. Klingt nach Aufwand, ist aber nur ein Satz im Prompt. ChatGPT erledigt den Rest.

T wie Top-2 Fragen. Mein Lieblingsbaustein. Bitte ChatGPT, Dir vorab höchstens zwei Fragen zu stellen, falls deren Antworten das Ergebnis deutlich besser machen würden. So findet die KI Deinen blinden Fleck, bevor sie loslegt. Gerade bei größeren Aufgaben spart das eine Menge Nacharbeit.

Und das Plus? Das ist der Kontext. Gib ChatGPT das Material, das es braucht: die Kundenanfrage, eine alte Mail, an der es sich orientieren kann, Deine Preisliste. Je mehr nützlicher Kontext drin ist, desto weniger muss die KI raten.

Vorher, nachher

Nehmen wir einen kleinen Malerbetrieb in Altona. Der erste Prompt war der von oben: „Schreib mir ein Angebot für einen Kunden.“

Mit dem PROMPT+ System sieht er so aus:

„Ich möchte ein Angebot schreiben, mit dem eine Kundin den Auftrag noch für Dezember freigibt. Rahmen: Sie will ihr Treppenhaus streichen lassen (Altbau, drei Etagen). Sie beauftragt zum ersten Mal einen Handwerksbetrieb und hat Bedenken wegen Schmutz und Lärm. Erfinde keine Preise, setz dafür [Preis] ein. Erstelle eine E-Mail mit höchstens 200 Wörtern, freundlich und per Sie, die Leistungen als Stichpunkte in der Mitte. Das Ergebnis ist fertig, wenn die Kundin ihre Bedenken beantwortet sieht und weiß, was sie als Nächstes tun soll. Prüfe Deinen Entwurf vor der Ausgabe gegen diese Punkte und verbessere die schwächste Stelle. Bevor Du loslegst: Stell mir höchstens zwei Fragen, falls deren Antworten das Ergebnis deutlich verbessern würden.“

Ja, das ist länger. Aber jetzt kommt ein Text zurück, den man mit kleinen Änderungen abschicken kann. Preis eintragen, Termin anpassen, fertig.

Stopp: Muss ich das jetzt jedes Mal so ausführlich tippen? Nein. Leg Dir einmal einen Master-Prompt mit Lücken an, in dem die Bausteine schon stehen. Danach füllst Du nur noch die Lücken für Deine aktuelle Aufgabe aus. Oder Du tippst aufs Mikrofon und sprichst Deinen Prompt einfach ein. Ich mache das inzwischen fast nur noch so.

Profi-Tipp: Echte Kundennamen, Adressen oder Telefonnummern haben im Prompt nichts verloren. Schreib „die Kundin“ oder „[Name]“ und setz die Daten erst ein, wenn der Text fertig ist.

Drei Fehler, die ich ständig sehe

Alles in einen Prompt packen. Angebot schreiben, Preis kalkulieren und gleich noch einen Instagram-Post dazu: Das wird selten gut. Teil die Aufgabe auf und arbeite sie nacheinander ab.

Nach der ersten Antwort aufhören. Die erste Antwort ist ein Entwurf. Schreib einfach zurück: „Kürzer.“ Oder: „Weniger förmlich, der zweite Absatz klingt wie aus einem Amtsschreiben.“ Probier es nochmal. Und nochmal. Meine Erfahrung: Spätestens die dritte Fassung ist die, mit der man arbeiten kann.

Auf alte Prompt-Tricks setzen. „Denk Schritt für Schritt“, GROSSBUCHSTABEN, Trinkgeld-Versprechen oder „Du bist ein Weltklasse-Experte“ kannst Du Dir sparen. Die aktuellen Modelle brauchen das nicht mehr. Ein klares Ziel und eine Messlatte bringen deutlich mehr.

Das Ganze auf einer Seite

Wir haben das PROMPT+ System, den Master-Prompt zum Ausfüllen und Beispiele zu jedem Baustein auf eine Seite gepackt. Dazu kommt eine kleine Übersicht, welches ChatGPT-Modell für welche Aufgabe passt. Das ChatGPT CheatSheet 2026 › ist kostenlos. Du bekommst es gegen Deine E-Mail-Adresse und damit auch unseren Newsletter, den Du jederzeit wieder abbestellen kannst. Ausdrucken, neben die Tastatur legen, fertig (auf zum Copyshop, falls der Drucker mal wieder streikt).

Probier das System diese Woche an einer Aufgabe aus, die Du sowieso erledigen musst. Und schreib mir gerne, was dabei rausgekommen ist.

Beitrag teilen
magnifiercrosschevron-downchevron-right