Laub, Kompost und Klima: Was dein Garten jetzt Gutes tut
Kategorie
Datum

Es gibt eine Sache, die im Garten niemanden juckt, obwohl sie die wichtigste ist: der Boden. Kein Gartentitel, kein Baumarktprospekt, kein Garten-Youtuber mit Rindenmulch-Werbevertrag redet über ihn. Und dabei entscheidet sich im Herbst, ob deine zwei Beete nächstes Jahr tragen oder ob du im April mit dem Spaten gegen Ziegelsteine arbeitest.
Das Schöne daran: Was dem Boden hilft, hilft nebenbei dem Klima. Und das tust du nicht mit Technik, sondern damit, dass du den Kram, der um dein Haus fällt, liegen lässt statt ihn wegzufahren.
Das Laub, das du wegschaffst, ist die Hälfte deines Düngers
Nasses Herbstlaub ist auf Wegen eine Rutschbahn. Auf dem Rasen erstickt es die Gräser, wenn es zu lange liegen bleibt. Deshalb wird es in Deutschland massenhaft zusammengeharkt, in Laubsäcke gestopft und zur Grüngutannahme gefahren.
Und genau da liegt der Denkfehler. Laub ist kein Abfall, sondern die Rohform des besten Düngers, den du kostenlos bekommst. Was du wegfährst, ist Kohlenstoff, den dein Boden dringend haben will.
Leg es stattdessen auf die Beete. Zwei bis drei Hände voll reichen pro Quadratmeter, dünner als ein Daumen. Der Laubhaufen verrottet über den Winter, Regenwürmer ziehen ihn ein, und im Frühjahr hast du Humus statt einer Kruste – die Grundlage für den Boden, den Gärtner lieben.
Bei Walnusslaub und Eichenlaub gilt: langsam verrotten lassen, nicht dick schichten. Und was du nicht brauchst, geht in den Kompost.
Warum Humus mehr ist als Erde
Humus ist der dunkle, krümelige Anteil im Boden, der aussieht wie Kuchenkrümel und riecht wie Wald. Er speichert Wasser, hält Nährstoffe fest, lockert die Erde und lässt sich trotzdem pressen wie ein Schwamm.
Interessanter wird es beim Klima. Humus besteht zu einem großen Teil aus Kohlenstoff, den die Pflanzen vorher als CO₂ aus der Luft geholt haben. Jeder Kubikmeter Boden mit einem guten Humusgehalt ist deshalb ein kleiner Kohlenstoffspeicher – und einer, den wir selbst aufbauen können (NABU ).
Das heißt nicht, dass dein Hochbeet das Klima rettet. Aber es heißt, dass gutes Gärtnern und Klimaschutz am selben Ende ziehen. Du baust dir Humus auf, und nebenbei bleibt Kohlenstoff drin, wo er hingehört.
Der Herbstkompost: jetzt anfangen, nicht im Frühjahr
Ein Kompost ist kein Mülleimer mit Deckel, sondern ein Arbeitsplatz. Bakterien, Pilze, Würmer und Asseln machen da die Arbeit. Nur brauchen sie die richtigen Bedingungen – und die sind im Herbst optimal, weil du reichlich Material hast.
Die Regeln sind deutlich einfacher, als jeder Kompostratgeber tut:
- Mischen, nicht schichten. Grün und Braun im Wechsel, so entsteht Luft.
- Grün: Rasenschnitt, Küchenreste, Kaffeesatz. Enthält Stickstoff.
- Braun: Laub, Stroh, Zweigsschnitt, Pappe. Enthält Kohlenstoff.
- Nicht drauf: Gekochtes, Fleisch, kranke Pflanzenteile, Zitrusreste in Mengen.
- Feucht halten, nicht ersäufen. Wenn du eine Handvoll drückst und Wasser läuft, ist es zu nass.
Und der Punkt, an dem es fast alle vergeigen: Der Kompost muss auch mal Wasser abbekommen, wenn es wochenlang trocken ist (Mein schöner Garten ).
Die drei häufigsten Kompostfehler
Zu nass. Kompost, der riecht wie eine Müllkippe und aussieht wie Matsch, fault und arbeitet nicht. Dann hilft nur: umsetzen und trockenes Material beimischen.
Zu trocken. Der umgekehrte Fehler ist genauso häufig und wird seltener erkannt. Wenn es innerlich warm ist und die Handvoll feucht – alles gut.
Alles auf einmal. Wer einen ganzen Sack Grasschnitt auf einmal umsetzt, erstickt den Kompost. Immer mit Braungut mischen.
Der Herbst ist die Zeit für die neue Miete auf dem Acker
Wenn du in einem Beet abgeerntet hast, hast du im Herbst zwei Wege: mulchen oder Gründüngung. Beides ist besser, als den Boden nackt in den Winter zu schicken.
Gründüngung ist die günstige Variante: Aussäen, wachsen lassen, unterharken. Phacelia oder Senf frieren von selbst ab, Winterroggen nicht. Der eigentliche Wert liegt unter der Erde – die Wurzeln durchdringen den Boden, halten ihn fest und hinterlassen kleine Kanäle, durch die Wasser und Luft kommen.
Auch der Hochbeet-Fall ist im November geklärt: Wo du Wurzelgemüse aus dem Balkonkasten ziehst, mulche anschließend die Fläche, denn über den Winter braucht sie Schutz.
Was du tunlichst nicht tust
Laub verbrennen. In vielen Gemeinden verboten, überall ungesund. Der Rauch ist keine Herbstdekoration, sondern Feinstaub.
Den nackten Boden pflügen. Umgraben bringt Unkrautsamen nach oben und zerstört die Struktur, die dein Boden über den Sommer aufgebaut hat.
Laub im Beutel entsorgen, wenn du Platz hast. Wer 90 Zentimeter Platz hat, hat einen Kompostplatz. Genau so viel braucht es.
Torf kaufen. Torf ist ein Klimaproblem in einem Sack: Er stammt aus Jahrhunderten gewachsener Moore und setzt beim Abbau große Mengen CO₂ frei. Deine eigene Erde ist besser, reicher und kostenlos.
Was das kostet und wie lange es dauert
Ein Kompostplatz kostet nichts, außer einer Stelle im hinteren Garten. Beete mit Laub bedecken ist eine Arbeit von 20 Minuten pro Beet. Ein Sack Gründüngungssaatgut kostet weniger als ein Mittagessen.
Der Zeitaufwand für den ganzen Herbstdurchgang liegt bei zwei Nachmittagen – einer für Laub und Kompost, einer für die Beete. Und du sparst die Fahrten zum Wertstoffhof, von denen du im Herbst sowieso die Nase voll hast.
Der Herbst ist kein Aufräummonat für den Garten, sondern sein Wiederaufbau. Was du jetzt nicht wegfährst, wird Erde. Was du jetzt begrübst, wird Humus. Und was du jetzt stehen lässt, holt nächstes Jahr Wasser aus dem Boden, wenn es trocken ist.
Das Klima merkt davon wenig. Dein Boden merkt alles.