Halloween: Von Samhain bis zum Kürbis vor der Haustür

Datum
1. Oktober 2026
halloween samhain keltisches erntefest

Am 31. Oktober stehen plötzlich Kürbisse vor Haustüren, Kinder laufen als Hexen, Vampire oder Skelette durch die Straßen und aus ganz normalen Häusern werden kleine Spukhäuser. Dazu gibt es Süßigkeiten, Halloween-Partys und jede Menge künstliches Blut.

Halloween wirkt heute wie eine ziemlich moderne Erfindung. Ist es aber nicht. Die Geschichte dahinter reicht viele Jahrhunderte zurück – und beginnt nicht in den USA, sondern in Europa.

Samhain: Das Ende des Sommers

Wenn die dunkle Jahreszeit beginnt

Als einer der wichtigsten Vorläufer von Halloween gilt Samhain, ein Fest aus der keltischen Tradition. Es markierte das Ende der Erntezeit und den Übergang in die dunkle Hälfte des Jahres. Gefeiert wurde ungefähr um den 31. Oktober und 1. November.

Für die Menschen damals war dieser Übergang mehr als nur ein Wechsel im Kalender. Die Ernte war eingebracht, der Winter stand vor der Tür und damit eine deutlich schwierigere Jahreszeit. Feuer spielten eine wichtige Rolle. Gemeinschaftliche Feuer sollten Schutz geben und symbolisierten gleichzeitig Licht in der beginnenden Dunkelheit.

Und natürlich durfte bei einem Fest, das mit dem Übergang zwischen Sommer und Winter verbunden war, auch das Übernatürliche nicht fehlen.

Nach später überlieferten Vorstellungen war Samhain eine Zeit, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten besonders durchlässig wurde. Geister und andere Wesen konnten die Welt der Menschen betreten. Verkleidungen und Masken sollten dabei unter anderem helfen, sich vor diesen Wesen zu schützen oder sie zu verwirren.

Ganz wichtig ist allerdings: Nicht jede Geschichte, die heute über Samhain erzählt wird, lässt sich historisch eindeutig belegen. Vieles stammt aus späteren Überlieferungen und wurde im Laufe der Jahrhunderte weiter ausgeschmückt. Gerade bei Halloween gehen Geschichte und Legende deshalb gern Hand in Hand.

Von Samhain zu All Hallows' Eve

Die Kirche verändert den Kalender

Mit der Ausbreitung des Christentums veränderten sich auch die alten Bräuche. Der 1. November wurde zum All Saints' Day, also Allerheiligen. Im Englischen wurde daraus unter anderem „All Hallows' Day“. Der Abend davor war entsprechend All Hallows' Eve – daraus entwickelte sich schließlich der Name Halloween.

Auch der 2. November bekam mit Allerseelen einen Platz im christlichen Kalender. Damit lagen innerhalb weniger Tage gleich mehrere Feste, die sich mit Heiligen, Verstorbenen und dem Übergang zwischen Leben und Tod beschäftigten.

Alte Bräuche verschwanden dadurch allerdings nicht einfach. Sie vermischten sich mit den neuen religiösen Traditionen. Genau diese Mischung macht die Geschichte von Halloween so interessant.

Von Seelenkuchen und Verkleidungen

Ein Vorläufer des heutigen „Trick or Treat“ entstand ebenfalls in Europa. Beim sogenannten Souling zogen Menschen von Haus zu Haus und erhielten Lebensmittel, unter anderem sogenannte Soul Cakes. Im Gegenzug wurden Gebete für verstorbene Angehörige versprochen.

Auch Verkleidungen und das Herumziehen von Haus zu Haus gab es bereits lange vor der amerikanischen Halloween-Version. In Schottland und Irland war beispielsweise das sogenannte „Guising“ verbreitet. Kinder verkleideten sich und erhielten im Gegenzug für kleine Darbietungen oder Streiche etwas zu essen.

Das klingt erstaunlich modern. Nur dass damals vermutlich niemand eine Tüte Gummibärchen in der Hand hatte.

Warum ausgerechnet der Kürbis?

Eigentlich war die Kürbislaterne gar keine Kürbislaterne

Der berühmte Jack-o'-Lantern gehört heute zu Halloween wie die Schokolade zum Adventskalender.

Ursprünglich wurden allerdings keine Kürbisse↗ verwendet. In Irland und Schottland schnitzte man Gesichter in Rüben↗ oder andere geeignete Gemüse und beleuchtete sie von innen. Erst in Nordamerika setzte sich später der wesentlich größere und leichter zu bearbeitende Kürbis durch.

Dazu gehört die bekannte Legende von Stingy Jack, einem geizigen Mann, der angeblich den Teufel austrickste. Nach seinem Tod durfte Jack weder in den Himmel noch in die Hölle und musste mit einer glühenden Kohle in einer ausgehöhlten Rübe durch die Dunkelheit wandern.

Ob Jack tatsächlich so durch die Nacht lief? Historisch betrachtet eher schwierig zu beweisen. Als Halloween-Geschichte funktioniert es aber hervorragend.

Halloween kommt nach Amerika

Aus Einwanderertraditionen wird ein großes Fest

Seine heute bekannte Form entwickelte Halloween vor allem in den Vereinigten Staaten. Im 19. Jahrhundert brachten irische und schottische Einwanderer ihre Bräuche mit über den Atlantik. Dort vermischten sie sich mit bereits vorhandenen Traditionen und entwickelten sich weiter.

Das organisierte Trick-or-Treating,↗ wie wir es heute kennen, entstand allerdings erst deutlich später. In den USA verbreitete es sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Die wachsenden Vorstädte, größere Familiengemeinschaften und industriell hergestellte Süßigkeiten machten das Herumziehen von Kindern wesentlich einfacher.

Aus einem alten Fest rund um Ernte, Jahreszeiten und die Welt der Toten war damit endgültig ein gesellschaftliches Ereignis geworden.

Von Geistern zu Popkultur

Halloween wird zum modernen Unterhaltungspaket

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Halloween immer stärker zu dem Fest, das wir heute kennen: Kostüme↗, Süßigkeiten, Dekoration, Partys und natürlich Horror.

Filme und Fernsehen verstärkten diesen Effekt zusätzlich. Vampire, Zombies, Hexen, Monster und später bekannte Figuren aus Filmen, Serien und Computerspielen wurden zu beliebten Kostümvorlagen.

Und irgendwann war Halloween nicht mehr nur ein einzelner Abend. Schon Wochen vorher tauchen Kürbisse, Spinnennetze↗ und Skelette in Geschäften auf.

Auch Deutschland blieb davon nicht verschont. Halloween hat sich hier längst etabliert, auch wenn es weiterhin nicht die gleiche gesellschaftliche Bedeutung besitzt wie beispielsweise in den USA. Gerade Kinder, Jugendliche und Fans von Horror, Verkleidungen und Partys haben das Fest längst für sich entdeckt.

Aus dem alten Übergang in die dunkle Jahreszeit wurde damit ein erstaunlich modernes Phänomen.

Ein Fest mit ziemlich vielen Gesichtern

Halloween ist deshalb weder ausschließlich ein keltisches Fest noch eine amerikanische Erfindung. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung: alte europäische Bräuche, christliche Feiertage, regionale Traditionen, Einwanderung, amerikanische Popkultur und jede Menge Geschäftssinn haben gemeinsam das Halloween geschaffen, das wir heute kennen.

Vielleicht erklärt genau das auch, warum Halloween so vielseitig ist. Man kann sich für seine Geschichte interessieren, einen Kürbis schnitzen, mit Kindern Süßigkeiten sammeln, einen Horrorfilm anschauen oder sich einfach als Vampir auf eine Party stellen.

Oder alles zusammen.

Denn eines hat Halloween über die Jahrhunderte offenbar ziemlich gut überlebt: Die Menschen mögen es, sich für kurze Zeit ein bisschen zu gruseln.

Im nächsten Teil der Halloween-Serie geht es deshalb um eine andere spannende Frage: Warum macht uns Gruseln eigentlich Spaß?


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